Sibirien XX: Exklusiv! How to Make Russian Friends by Wearing a T-Shirt 1/3

Die aus Funk und Fernsehen (bzw. deren legitimem Nachfolger Facebook) bekannte Reihe „How to make russian friends by wearing a t-shirt“ erscheint jetzt hier erstmals und exklusiv als Best Of. Aus den drei legendären Folgen wurden dafür in einem harten Auswahlverfahren die drei legendärsten Folgen ausgewählt und mit sehr klugen Kommentaren versehen. Ein Stück Unterhaltungsgeschichte, von dem heute der erste Teil präsentiert wird: Zeh Zeh Zeh Peh.

Versuch 1: „Früher war alles besser.“

Picture0004Mut: 50%
Erfolgsgarantie: 50%
Chic: 75%

Sehr guter Ansatz: Die Nostalgie ist wie anderswo auch hier ein sehr verbreitetes Gefühl. Tatsächlich trauert man zumeist weniger der Vergangenheit eines untergegangenen pseudosozialistischen Staates nach als der eigenen. Menschen in meinem Alter verbrachten ihre frühe Kindheit in der Sowjetunion und verbinden somit ihre liebevollen Gefühle für die eigene Kindheit nicht zuletzt auch mit dem Leben in der UdSSR. Menschlich.

„How to make russian friends by wearing a t-shirt“ – nachgehakt
Zu den Führern jener wie der heutigen Zeit allerdings hegen die Menschen, mit denen ich so spreche, kein sonderlich liebevolles Verhältnis. Am schlechtesten schneiden in dieser Frage jedoch diejenigen ab, die zwischen damals und heute regierten: Über Michail Gorbatschow und Boris Jelzin habe ich bislang ausschließlich Negatives gehört, was für mich irgendwie kurios ist, gilt jener in Deutschland oft als Held und dieser immerhin als einigermaßen die demokratischen Regeln akzeptierender, schwer korrupter Säufer – das kennt man in Deutschland recht gut und glaubt, nicht ganz schlecht damit gefahren zu sein.

„How to make russian friends by wearing a t-shirt“ – nachgefragt
Der heutige Präsident übrigens wurde mir gegenüber bislang nur von ein paar wenigen in Russland weilenden oder lebenden Deutschen verteidigt. Kein Kommentar. Aber als ich kürzlich einer Omskerin im Rahmen eines Gesprächs über Kulturpolitik – ja, ich diskutiere auf Russisch bereits über solch ambitionierte Themen – vorsichtig zu verstehen geben wollte, dass ich staatliche Förderung auch nur dann für den besten Weg halte, wenn es sich dabei um einen demokratischen Staat handelt (womit keinesfalls unkritisch der westlichen Form des Parlamentarismus eine Lanze gebrochen werden soll), antwortete sie stante pede, dass dies in Russland ja wohl kaum der Fall sei.

„How to make russian friends by wearing a t-shirt“ – nicht nachgefragt
Und als ich mal mit einem jungen Mann in der für solche Themen stets hervorragend geeigneten Karaokebar über die geringen Löhne in Russland sprach, meinem Ärger über das bestehende Missverhältnis bei den Einkommen Ausdruck verlieh – ja, ich diskutiere auf Englisch bereits über solch ambitionierte Themen – und eher rhetorisch fragte, woran das bloß liege, bestand seine prompte Antwort aus nur einem Wort, das dem Nachnamen des amtierenden Präsidenten so nah kam, dass man problemlos von einer hundertprozentigen Übereinstimmung sprechen kann. Dann kam jedoch mein Lied und ich konnte nicht weiter nachfragen. Man muss eben Prioritäten setzen können.

„How to make russian friends by wearing a t-shirt“ – nachgetreten
Problembewusstsein also allerorten, wie allerdings auch die Lethargie. Die mit Abstand häufigsten individuellen Lösungsansätze: Rückzug ins Privatleben bei den einen, Auswanderungswunsch bei den anderen.

Letzterer ist dann auch Thema in Teil 2 der im In- und Ausland von den Feuilletons wie dem Publikum gleichermaßen gefeierten Erfolgsserie „How to make russian friends by wearing a t-shirt“. Seid also auch nächstes Mal wieder dabei und holt Euch die heißesten Modetipps, wenn es heißt „How to make russian friends by wearing a t-shirt. Versuch 2: How to make russian friends who dream to live down under with the kangaroos.“.

P.S. Am besten findet man wirkliche Freunde übrigens dann, wenn man auf Mamas Ratschläg hört und sich nicht verstellt, sondern sich so gibt, wie man ist.

P.P.S.
Am besten findet man russische Freunde übrigens, wenn man kein T-Shirt trägt.

P.P.P.S. Sondern ein Hemd.

P.P.P.P.S. Ein gebügeltes.

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2 Gedanken zu “Sibirien XX: Exklusiv! How to Make Russian Friends by Wearing a T-Shirt 1/3

  1. p.p.p.p.p.s: mir gefällt dein text sehr, am besten aber die ppsen. hach. ich grinse noch immer. und, was trägst DU? jetzt? (ob es auch so schön warm ist bei euch?)

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    • Danke!
      Ja, auch in Sibirien ist Sommer. In Omsk kann es da gerne auch mal 40 Grad werden, also PLUS 40 Grad.
      Ich habe aber gerade Heimaturlaub. Sommerurlaub in dem Moloch, dem die Einheimischen im Sommer normalerweise entfliehen. Daher bin ich sehr „urlaubig“ gekleidet, aber wir in Berlin können ja bekanntlich alles tragen. :)

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