Sibirien XVII: Weiße Welten

Wer bei Glätte Salti vollführt, schießt nicht selten spektuläre Fotos.

Wer bei Glätte Salti vollführt, schießt nicht selten spektuläre Fotos.

Omsk. Seit Anfang November liegt hier in Omsk eine geschlossene Schneedecke. Der Schnee ändert je nach Temperatur, Lichteinfall und Stimmung seine Erscheinungsform. An weniger kalten Tagen schneit es. Es ist ein irgendwie trockener, feiner, pulveriger Schnee, der, wenn er keck in den Kragen gelangt, gar nicht jenen von Zuhause bekannten nasskalten Schauer auslöst. An den sehr kalten Tagen schneit es nicht mehr. Dann aber funkelt der Schnee wie Feenstaub in der Sonne. Sibirien und sein Winter feiern eine sechsmonatige Hochzeit: Die Stadt ist in Weiß gehüllt. Aber auch jenseits des Kitsches erfüllt der Schnee seine Pflicht, verdeckt er doch so manch Verdeckenwertes und legt ein halbes Jahr weißes Schweigen darüber. Ruhig. Friedlich. Sauber.

Und wer dann noch  im sibirischen Winter sein Handy fallenlässt, benötigt die Lawinenhundestaffel der Bergrettung.

Und wer dann noch im sibirischen Winter sein Handy fallenlässt, benötigt die Lawinenhundestaffel der Bergrettung.

Gerade in Omsk jedoch ist die Farbe Weiß nicht ausschließlich Symbol für Ruhe und Reinheit. Während des Russischen Bürgerkriegs, der im Anschluss an die Oktoberrevolution von 1917 ausbrach und bis 1920 andauerte, standen den roten Revolutionären die zwar heterogenen, aber alles in allem reaktionären „Weißen“ gegenüber. Farblich wie ideologisch eine Parallele zu den Freikorpseinheiten in Deutschland, die maßgeblich an der Niederschlagung der Novemberrevolution von 1918/19 beteiligt waren und auch oft als Weiße Truppen bezeichnet wurden. Ab November 1918 jedenfalls war Omsk nach einem Militärputsch eines der Zentren der konterrevolutionären Bewegung und wurde am 14. November 1919 durch die Rote Armee von der nach ihrem Anführer benannten Koltschak-Diktatur befreit.

Das waren bislang und hoffentlich für alle Zeiten die letzten Kriegshandlungen, die in Omsk stattfanden. Seitdem steht hier die Farbe Weiß wieder für den Winter und dessen faszinierende herbe Schönheit, die ich – natürlich gänzlich unzureichend und dennoch mit Liebe – versucht habe, mit den folgenden Bildern einzufangen.

Die Puschkin-Bibliothek zu Omsk in der winterlichen Abenddämmerung. Im Russischen sagt man übrigens einigermaßen wörtlich übersetzt: "Bibliothek namens Puschkin". Oder auch "Universität namens Dostojewski". Doch damit nicht genug! Die Namen werden zudem dekliniert. Das führt dazu, dass die genannte Uni den Zusatz "imeni Dostojewskogo" trägt, das zudem aber "Dastajewskawa" ausgesprochen wird, womit die Verwirrung komplett ist. Erwähnte ich, dass ich am kommenden Sonnabend meine erste hiesige Russischstunde habe?

Die Puschkin-Bibliothek zu Omsk in der winterlichen Abenddämmerung. Im Russischen sagt man übrigens einigermaßen wörtlich übersetzt: „Bibliothek namens Puschkin“. Oder auch „Universität namens Dostojewski“. Doch damit nicht genug! Die Namen werden zudem dekliniert. Das führt dazu, dass die genannte Uni den Zusatz „imeni Dostojewskogo“ trägt, das zudem aber „Dastajewskawa“ ausgesprochen wird, womit die Verwirrung komplett ist. Erwähnte ich, dass ich am kommenden Sonnabend meine erste hiesige Russischstunde habe? Ich habe Aaaaangst!!!

Am Fluss Irtysch. Wo ist Ufer, wo ist Fluss? Man kann es nur noch ahnen.

Am Fluss Irtysch. Wo ist Ufer, wo ist Fluss? Man kann es nur noch ahnen.

Verrücktes Sibirien: Mitten auf dem reißenden Strom steht ein Typ in Schwarz und trägt traditionellen Kopfschmuck aus Kunstfell.

Verrücktes Sibirien: Mitten auf dem reißenden Strom steht ein Typ in Schwarz und trägt traditionellen Kopfschmuck aus Kunstfell.

Zebrastreifen im Schnee

Zebrastreifen im Schnee

Genug Schnee ist vorhanden, um ganze Burgen zu errichten, die einen Winter lang über das Königreich aus Schnee wachen. Oder zum Rutschen genutzt werden, was der viel schönere Gedanke ist.

Genug Schnee ist vorhanden, um ganze Burgen zu errichten, die einen Winter lang über das Königreich aus Schnee wachen. Oder zum Rutschen genutzt werden, was der viel schönere Gedanke ist.

"Und der Sand am Strand! Schneeweiß, sag ich Dir!"

„Und der Sandstrand! Schneeweiß, sag ich Dir!“

Der Jahrmarkt hält Winterschlaf. Die Gondeln tragen Trauer.

Der Jahrmarkt hält Winterschlaf. Die Gondeln tragen Trauer.

Allen ein frohes Jahr 2013!

Allen ein frohes Jahr 2013!

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2 Gedanken zu “Sibirien XVII: Weiße Welten

  1. boah, dieser schnee! ich mag die bilder total gerne, obwohl ich den schnee nicht mag. vielleicht weil er weiiit weg ist und ich mich damit nicht quälen muss … :-)

    von der ersten russischstunde, die ist ja nun eh längst vergangenheit ist, hoffe ich, dass sie nicht so schlimm war.

    was ist denn das, was auf dem zweiten grossen bild (fluss) liegt? ist das ein mensch, der den engel macht? oder ein hund? oder nur abfall?

    liebe grüsse aus der schweiz, soso

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